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Inh. Thorsten Schäfer

Content Management & Webdevelopment aus Berlin

Barrierefreiheit per Gesetz - oder gibt es noch andere Gründe?

Warum der Aufwand? Ist barrierefreies Webdesign nötig?

Die Vorgaben des Gesetzgebers (geregelt in der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung, BITV, und dem Behinderten Gleichstellungsgesetz, BGG) gelten zunächst nur für Behörden des Bundes. Länder und Gemeinden müssen sich nach Landesverordnungen oder Gesetzen richten, die in naher Zukuft wohl der BITV folgen. Es gibt jedoch auch für gewerbliche Anbieter von Internetauftritten einige gute Gründe, Webseiten nach den Richtlinien für barrierefreies Webdesign zu gestalten.

Allein in der Bundesrepublik gibt es etwa 150.000 Blinde. Hinzu kommen noch einige Hunderttausend Sehbehinderte und Menschen mit motorischen Einschränkungen. Diese Gruppe ist bei derzeit gut 90% nicht behindertengerechten Angeboten im Internet von Informationen, Foren und Netzwerken, vor allem aber von vielen E-Commerce-Angeboten und Online-Shops ausgeschlossen. Durch barrierefreies Webdesign würde diese große Gruppe von interessierten Menschen in die Netzwelt integriert.

Barrierefreies Webdesign aus unternehmerischer Vernunft

Behinderte halten sich statistisch gesehen länger und öfter im Internet auf. Auf das Haus beschränkte Menschen nutzen E-Commerce und E-Shops weitaus ausgiebiger.

Hinzu kommt, dass barrierefreie Programmiertechnik auch einer äußerst kaufkräftigen Zielgruppe zugute kommt: den Silver-Surfern. Menschen über 50 haben oft mit kleinen Schriften und schlechten Kontrasten zu kämpfen. Schriftvergrößerung und gute Kontraste, logische Navigation und übersichtliche Formulare machen es Ihren Kunden also leichter.

Ohne gute Bedienbarkeit und keine Hindernisse sind also sinnvoll, um im Grunde sehr kaufkräftige Besucher nicht auszuschließen. Leider ist eine Vielzahl von Shops und Warenangeboten für behinderte Menschen nicht zugänglich. Komplizierte Bestellvorgägne erleichtern auch unerfahrenen Benutzern den Online-Einkauf nicht gerade. Die Forderungen nach Web-Usability sowie nach Barrierefreiheit sollten also an gewerblichen Anbietern keineswegs unbeachtet vorbeigehen.

Barrierefreies Webdesign hilft mittelfristig die Kosten zu senken

Auch wenn viele es behaupten: die Umsetzung einer Website in barrierefreier Technik nur wenig aufwändiger, also auch meist nicht teurer. Im Gegenteil - die Pflege solcher nach internationalen Standards "gebauten" Seiten ist billiger als bei Seiten mit der individuellen Note des Programmierers. Werden Inhalte im entsprechenden Markup dargestellt und zentral formatiert, fällt es jedem Webdesigner leichter, diese anzupassen und zu ändern. Das spart Arbeitszeit und damit Kosten.

Barrierefreies Internet muss nicht häßlich sein

Entgegen der landläufigen Meinung müssen barrierefreie Internetauftritte nicht mehr nüchtern und designerisch "unwertvoll" sein. Im Gegenteil bieten modernste Browsertechnologien und internationale Standards wie CSS Möglichkeiten, schön designte Seiten zu erstellen, die dennoch uneingeschränkt zugänglich sind. Man muss einem Webauftritt nicht mehr ansehen, dass er barrierefrei umgesetzt wurde.

Barrierefreiheit bedeutet "zugänglich für jeden und immer" - auch für Suchmaschinen

Von Suchmaschinen wie Google und Yahoo! werden täglich kleine Programme ausgesandt, die sogenannten Robots. Diese Programme lesen die Inhalte von Internetseiten vollständig aus. Diese werden dann interpretiert und gespeichert, aus ihnen werden Schlüsselbegriffe extrahiert, die schließlich zu Suchmaschinenschlagworten werden. Meta-Angaben wie "Keywords" spielen mittlerweile eine untergeordnete Rolle.

Nun sind diese Robots allerdings Programme. Und Programme sind nicht auf Design aus. Sie sind darauf angewiesen, die Inhalte so linear wie möglich auszulesen. Es macht für diese Programme keinen Sinn, wenn sich Textabsätze mit Elementen der Navigation vermischen, so wie das bei gängigen Layouts mit verschachtelten Tabellen oft der Fall ist.

Im Grunde sind Suchmaschinen-Robots also "blinde Besucher". Und genau deswegen ist die barrierefreie Umsetzung mit ihrer linearisierbaren Darstellbarkeit auch zugleich programmierte Suchmaschinenoptimierung. Und die Einhaltung von durch XHMTL bestimmte Hierarchien erleichtert den Robots die "Verschlagwortung" der Inhalte - denn was sich in Seitentitel, Übrschriften, Zwischenüberschriften und Absätzen wiederholt, ist relevant.

Auch die Forderung nach eindeutigen Linktexten aus der BITV kommt der Indizierung durch Suchmaschinen entgegen. Schließlich ermitteln Google und Co. die Relevanz verlinkter Seiten in Verbindung mit dem Kontext des Links.


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